Masking, camouflaging, closeting, sich verstecken - und wer wir wirklich sind

Wie ein Delphin – Masking bei neurodivergenten und queeren Menschen

Masking beschreibt einen Anpassungsmechanismus, bei dem Aspekte der eigenen Identität versteckt oder überspielt werden – aus Angst vor Diskriminierung oder Ablehnung – der besonders bei neurodivergenten und queeren Menschen ausgeprägt ist.

Masking als Überlebenstrategie für Sicherheit, Zugehörigkeit und Liebe

Wenn wir in jungen Jahren für unser Verhaltensweisen, unsere Emotionen, unsere Bedürfnisse, unsere Grenzen und unsere Sexualität verurteilt, abgewertet oder gar bedroht werden oder wir damit nicht gesehen werden, entwickeln wir sogenannte adaptive 

Überlebensstrategien – wir beginnen, bestimmte Aspekte unserer Persönlichkeit zu maskieren oder uns von ihnen abzuspalten, um uns Liebe, Sicherheit und Zugehörigkeit zu sichern – um den Preis unserer Identität. 

Hier beginnt das sogenannte Masking oder auch Camouflaging.

Formen des Maskings und Camouflaging

Masking kann sich auf unterschiedliche Weise äußern:

Impulsunterdrückung und Zwang als Maskingform bei neurodivergenten Menschen

Eine Form des Masking bei neurodivergenten Menschen ist es, sich zu neurotypischen Verhaltensweisen wie Augenkontakt entgegen der eigenen Bedürfnisse zu zwingen – oder Bewegungsimpulse wie Stimming (Wiederholung von körperlichen Bewegungen, Lauten, Berührungen oder visuellen Reizen) zu unterdrücken. (Mehr Infos dazu gibt es hier)

Sich verstecken, Rückzug und Closeting

Eine Form des Masking ist sozialer Rückzug – oder in Gesellschaft nicht aufzufallen – oft einhergehend mit social anxiety. Hierzu gehört auch bei queeren Menschen das sogenannte Closeting Closeting – also das Verleugnen der eigenen sexuellen oder geschlechtlichen Identität.

sich verstecken und rückzug

Perfektionismus & Performance

Eine weitere Strategie ist es, möglichst unfehlbar, perfekt und stark zu wirken, um von der eigenen Verletzlichkeit und scheinbaren Fehlern abzulenken – oft begleitet von innerer Unruhe, Performancedruck und Versagensängsten

Masking, sich verstecken

People Pleasing und Fawn Response

Diese Form des Maskings besteht aus einer Maske aus Freundlichkeit, ständiger Hilfsbereitschaft, Unterwürfigkeit und  Aufopfern für andere – auf Kosten der eigenen Bedürfnisse – von denen dadurch abgelenkt werden soll. Als Traumafolgereaktion wird das auch als Fawn Reaktion bezeichnet.

Masking und Queerness

Studien zeigen, dass bei Personen, die queer und neurodivergent sind, Masking und Closeting besonders ausgeprägt ist. So berichten in einer qualitativen Umfrage-Studie von Mylett et al (2026) unter 202 Erwachsenen mit ADHS über 90% von Masking. McQuaid et al (2025) belegten in einer Studie, dass Masking bei autistischen Menschen, die gleichzeitig einer sexuellen Minderheit angehören, signifikant ausgeprägter war. Eine mögliche Erklärung hierfür ist systemisches Trauma. 

 

Erschöpfung und Minority Stress als Folge

Masking ist Teil von Minority Stress: Das ständige Verbergen kostet Kraft und kann zu Ängsten, Erschöpfung und Depressionen beitragen und den Stress–Level im Körper erhöhen. Masking geht einher mit Scham.

Drogen, sexual Roleplay können als Pause von der maskierten Persönlichkeit gesehen werden – indem diese erneut maskiert und überdeckt wird.

Wer wir wirklich sind - Unmasking und Entfaltung mit NARM

„WER WIR WIRKLICH SIND“ heißt das neueste NARM Buch von Laurence Heller und Stephan Niederwieser – und ist gleichzeitig eine Beschreibung dessen, was NARM bei Masking leisten kann. 

NARM kann Dich dabei unterstützen, Dich wieder mit Deinen primären Emotionen, Deinen Bedürfnissen, Grenzen zu verbinden und Dich darin unterstützen, nicht weiter in Deinen Überlebensstrategien gefangen zu sein, sondern Wahlfreiheit zu haben. Die Haltung ist bewertungsfrei, ressourcenorientiert und nicht pathologisierend. So kann sich nach und nach Deine Persönlichkeit entfalten und Dich mit ihr zu zeigen – Masking bleibt dabei eine Option.

Über Mich

Ich bin zertifizierter NARM Therapeut. Darüberhinaus arbeite ich mit weiteren Methoden Somatic Experiencing, Ego State Therapie, Brainspotting und Hypnose. Mehr über mich und meine Methoden.

 

Ich bin selber queer und neurodivergent.

 

Weitere Informationen:

Häufige Fragen

Ist NARM wissenschaftlich anerkannt?

NARM ist kein Richtlinienverfahren der gesetzlichen Krankenkassen. Es gibt bisher nur wenige Studien – auch, weil NARM ein noch relativ junges Verfahren ist und große Wirksamkeitsstudien aufwändig und teuer sind. Die Methode baut auf Erkenntnissen aus Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie und Traumatherapie auf, und das Interesse an ihr wächst: NARM wird inzwischen in vielen Ländern gelehrt und praktiziert und es gibt erste qualitative Fallstudien (z.B. Vasquez, 2024; Vasquez et al., 2024 ). 

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Manche privaten Krankenversicherungen oder Zusatzversicherungen erstatten Leistungen von Heilpraktiker*innen teilweise – frag am besten direkt bei deiner Versicherung nach.

Ganz im Gegenteil – Neurodivergenz ist nicht heilbar und Teil Deiner einzigartigen Persönlichkeit. NARM kann Dich darin unterstützen, Deine Identität zu leben, statt sie zu verstecken – abhängig davon, was Du Dir in den Sitzungen für Dich wünschst.

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