Angst und Panik sind wichtige Emotionen. Wenn tatsächlich Gefahr droht, schützen sie uns: Sie bringen uns dazu, wegzulaufen, uns zu wehren oder zu erstarren. Aus Angst kann sogar Mut entstehen – denn mutig sein heißt, trotz Angst zu handeln. In diesem Artikel geht es darum, was Angst, Sorge und Panik unterscheidet, was dabei im Nervensystem passiert und wie ich in meiner Praxis für Angsttherapie in Berlin-Kreuzberg damit arbeite.
Für die Philosophin Martha Nussbaum ist Angst eine Reaktion auf die eigene Vergänglichkeit. Die Mutter aller Ängste ist demnach die Angst vor dem Tod. In ihrem lesenswerten Buch „Königreich der Angst“ beschreibt sie, wie eng Angst mit anderen Emotionen verbunden ist:
Nussbaum treibt die Sorge um, dass Angst, Neid und Ekel politisch instrumentalisiert und gefüttert werden. Man könnte es aus therapeutischer Sicht so beschreiben: Wird die Angst zu groß, spalten manche Menschen sie ab und reden sich ein, keine Angst mehr zu haben. An ihre Stelle tritt dann Zorn.
Um der kollektiven Angst etwas entgegenzusetzen, plädiert Nussbaum für Hoffnung und Liebe als Gegenkräfte zur Angst.
Nussbaum beruft sich auf den Neurowissenschaftler Joseph LeDoux. Zu Angst gehört demnach, dass die Amygdala in Erregung ist und dass es bestimmte Auslöser für diesen Zustand gibt – etwa die Gestalt einer Schlange. Das heißt aber nicht, dass die Angst in der Amygdala „sitzt“: LeDoux unterscheidet zwischen den automatischen Schutzreaktionen des Gehirns und dem bewussten Gefühl Angst.
Nussbaum betont außerdem, dass sich Emotionen nicht bei allen Menschen gleich äußern – und dass wir oft gar nicht merken, dass wir Angst haben (Nussbaum, 2020, S. 46 ff.).
Ich bin zertifizierter Somatic Experiencing Practitioner, selbst schwul und queer, und habe im Fachverband Somatic Experiencing die AG Queer gegründet. Ich arbeite in meiner Praxis im Bergmannkiez und montags online.
Angst und Panik sind Reaktionen auf Gefahr. Belastend kann Angst werden, wenn eine Gefahr traumatisierend war und die Angst zu einer Traumafolgereaktion wird, in der das Nervensystem verharrt. Im Modell der Polyvagal-Theorie sind dann Sympathikus und dorsaler Vagus dominant. Der ventrale Vagus – der Teil des Nervensystems, der für Sicherheit, Verbundenheit und Ruhe steht – kommt dagegen kaum noch zum Zug.
War schon unsere Kindheit nicht sicher und wurden unsere Grundbedürfnisse nicht erfüllt, entwickeln wir Überlebensstrategien – aus Angst vor Konsequenzen, die für uns als Kind zu bedrohlich waren, und letztlich aus Angst, unsere Bindungspersonen zu verlieren. Das kann dazu führen, dass wir uns von unseren Gefühlen, unseren Bedürfnissen (etwa nach Kontakt), unseren Grenzen und unserer Liebe abschneiden mussten.
Stattdessen eignen wir uns vielleicht neue Ängste an:
Minority Stress und systemisches Trauma können bei queeren und neurodivergenten Menschen ganz eigene Ängste erzeugen:
Bei neurodivergenten Menschen kommt oft Reizüberflutung dazu, die das Nervensystem zusätzlich in Alarm versetzen kann. Mehr dazu findest du auf meinen Seiten zu queerer Traumatherapie und Neurodivergenz Therapie.
NARM (NeuroAffektives Beziehungsmodell) ist eine traumatherapeutische Methode, die speziell für Entwicklungstraumata entwickelt wurde. In NARM geht es darum, dass wir uns wieder mit unseren Bedürfnissen, unseren Grenzen und unseren primären Gefühlen verbinden – mit Wut, Traurigkeit und Herzoffenheit, von denen wir uns in Kindheit und Jugend aus Angst und Scham abschneiden mussten.
Daraus kann wieder mehr Lebendigkeit entstehen. Und als Erwachsene können wir einen anderen Umgang mit Gefühlen finden, die sich seit unserer Kindheit lebensbedrohlich anfühlen.
Somatic Experiencing arbeitet viel mit dem Gefühl von Sicherheit, das uns nach traumatischen Erfahrungen abhandengekommen ist. Im therapeutischen Prozess kann das Nervensystem nach und nach erfahren, dass die Gefahr vorbei ist.
Dabei arbeiten wir titriert – also in kleinen, gut verträglichen Dosen – und pendeln zwischen Aktivierung und Entspannung. So kann sich gebundene Aktivierung sanft entladen, und der ventrale Vagus kann wieder mehr Raum bekommen. Das kann die Selbstregulation stärken – insbesondere bei Schocktraumata, wo oft viel Angst und Panik im autonomen Nervensystem gebunden sein kann.
Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Druck auf der Brust können auch körperliche Ursachen haben – etwa am Herzen oder an der Schilddrüse. Wenn du Panikattacken erlebst, lass das bitte zuerst ärztlich abklären. Ich stelle keine medizinischen Diagnosen und verschreibe keine Medikamente.
In akuten Krisen erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In einem Notfall wähle die 112.
Je nach deinen Themen und Wünschen begleite ich dich gern mit NARM, Somatic Experiencing oder anderen Methoden. Als schwuler, queerer und neurodivergenter Therapeut arbeite ich selbstverständlich queer-affirmativ und neurodivergenz-affirmativ.
Je nach deinen Themen und Wünschen begleite ich dich gern mit NARM, Somatic Experiencing oder anderen Methoden. Als schwuler, queerer und neurodivergenter Therapeut arbeite ich selbstverständlich queer-affirmativ und neurodivergenz-affirmativ.
Je nach deinen Themen und Wünschen begleite ich dich gern mit NARM, Somatic Experiencing oder anderen Methoden. Als schwuler, queerer und neurodivergenter Therapeut arbeite ich selbstverständlich queer-affirmativ und neurodivergenz-affirmativ.
Eine Sitzung von 60 Minuten kostet 95 Euro. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten leider nicht. Falls Du eine private (Zusatz-)versicherung z.B. für Naturheilverfahren hast, kannst Du versuchen, sie von ihnen zumindest teilweise erstattet zu bekommen.
Die Sitzungen sind Montags in der Blücherstraße 58 und freitags in der Solmsstraße 30, beide in Berlin-Kreuzberg. Online-Sitzungen sind ebenfalls möglich.
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