NARM oder Somatic Experiencing? Ein Vergleich.

Zwei Kajaks nebeneinander auf dem Wasser – NARM oder Somatic Experiencing - beide Methoden im Vergleich

Du suchst eine körperorientierte Traumatherapie – aber weißt nicht, welche?

Bei NARM oder Somatic Experiencing kann ich dir meine Einschätzung geben – denn ich bin in beiden Methoden zertifiziert. Daher beschreibe ich beide Ansätze und wann welcher Weg passen kann.

NARM und Somatic Experiencing – was sind die Gemeinsamkeiten?

  • Beides sind körperorientierte Traumatherapie-Methoden und arbeiten gesprächsbasiert mit Körperwahrnehmung und Gefühlen
  • Beide Methoden können angewendet werden bei Entwicklungstrauma / Bindungstrauma und bei systemischem Trauma
  • Beide Methoden gehören nicht zu den sogenannten Richtlinienverfahren der gesetzlichen Krankenkassen. 
  • Beide Methoden müssen selbst bezahlt werden.

Was sind die Unterschiede?

NARM setzt den Fokus auf Entwicklungstraumata an.

Somatic Experiencing dagegen ist ursprünglich als Methode bei Schocktraumata entstanden. Sie hat als Ziel, die Selbstregulationsfähigkeit  des Nervensystems  zu verbessern.

Person legt die Hände auf die Brust – Körperwahrnehmung in NARM und Somatic Experiencing

  Somatic Experiencing NARM
Fokus Hauptfokus liegt auf dem autonomen Nervensystem der Klient*innen und seiner Fähigkeit zur Selbstregulation. Hauptfokus liegt auf den Wünschen, Bedürfnissen und Emotionen der Klient*innen und deren Entfaltung. Das autonome Nervensystem ist relevant, der Fokus liegt aber stärker auf Emotionen, Körperempfindungen sowie Beziehungs- und Entwicklungsmustern.
Vorgehen Titriertes Pendeln zwischen Aktivierung und Entspannung; Arbeit mit Über- und Unterkopplung; SIBAM-Modell (Sensations, Images, Behaviour, Affects, Meaning). Erkundendes Formulieren des Anliegens und erkundende Fragen – unter Einbeziehung von Emotionen, Gedanken und Glaubenssätzen, Körperempfindungen und teilweise inneren Bildern.
Rolle der Therapeut*in Begleiter*in, die mit dir die Selbstregulation des Nervensystems stärkt und durch Titration und Pendeln eine Überaktivierung vermeidet; lädt dazu ein, Körperempfindungen wahrzunehmen. Begleiter*in, die dir Raum für deine Wünsche, Bedürfnisse, Grenzen und Emotionen gibt – ohne dich zu bewerten.
Wie es sich anfühlen kann Im positiven Fall entlastend, sicher und entspannend. Mögliche Herausforderungen: Klient*innen mit Leidensdruck bezüglich eigener Themen fühlen sich mitunter nicht gesehen, weil der Fokus auf der Selbstregulation liegt und Themen eher genutzt werden, um Aktivierung und Entspannung zu erzeugen. Vorsichtiges, titriertes Vorgehen kann dazu führen, dass Klient*innen das Gefühl haben, ihnen werde nichts zugetraut. Im positiven Fall raumgebend: Klient*innen fühlen sich gesehen und haben das Gefühl, sich entfalten zu können und zu dürfen. Mögliche Herausforderungen: Je nach Zugang kann NARM sich sehr intensiv anfühlen. Bei sehr kopforientierten Klient*innen kann es sein, dass sie in den ersten Sitzungen den Eindruck haben, es passiere nicht viel – weil sie nicht „in den Körper gebracht“ werden. Oder es kann Misstrauen auslösen, wenn sich jemand für ihre Wünsche und Bedürfnisse interessiert.
Techniken Neben der gesprächsbasierten Arbeit mit Körperwahrnehmung und Gefühlen: Arbeit mit Bewegung, Berührung (Touch) und den Augen. Neben der gesprächsbasierten Arbeit mit Körperwahrnehmung und Gefühlen: Arbeit mit Wünschen und Bedürfnissen der Klient*innen sowie mit scham- und stolzbasierten Überlebensstrategien.
Ausbildung & Fachverband Ausbildung über 3 Jahre: Traumakategorien, Funktionsweise des autonomen Nervensystems, SE-Techniken; hoher Anteil an Selbsterfahrung und Supervision; Spezialisierung über Fortbildungsseminare. Austausch über den Fachverband Somatic Experiencing e.V. mit Arbeitsgruppen (z. B. AG Queer) und einer Ethikkommission. Basis-Training über 1,5 Jahre: Überlebensstrategien, primäre und sekundäre Emotionen, Stärkung der Selbstwirksamkeit (Agency) und NARM-Haltung; hoher Anteil an Selbsterfahrung und Supervision. Besonderer Fokus darauf, dass Therapeut*innen eigene Ziele und Ansprüche gegenüber Klient*innen loslassen, weil diese deren Selbstwirksamkeit einschränken würden. Informeller Austausch unter NARM-Practitioner*innen; einen Fachverband gibt es bisher nicht.
Studienlage Erste randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), z. B. bei PTBS (Brom et al., 2017) oder Andersen et al., 2017 – die Zahl ist im Vergleich zu Richtlinienverfahren dennoch gering. Noch keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), bisher vor allem qualitative und praxisbezogene Studien (z. B. Vasquez, 2024; Vasquez et al., 2024).
Eignung Schocktrauma, transgenerationales Trauma, systemisches Trauma – teilweise auch Entwicklungstrauma. Entwicklungstrauma, systemisches Trauma.

Bei welchen Themen NARM eine gute Wahl sein kann

Bei welchen Themen Somatic Experiencing eine gute Wahl sein kann

  • Aufarbeitung von Schocktraumata (Autounfälle, Stürze, Angriffe, Operationen usw.) und daraus resultierenden Fight-, Flight- und Freeze-Responses
  • Transgenerationales Trauma (und ggf. auch bei Bindungstrauma, systemischem Trauma und Entwicklungstrauma)
  • Bei Syndromen und chronischen Schmerzen (s. Andersen et al., 2017) 
  • Wunsch nach Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems
  • Wenn NARM nicht passend zu sein scheint (weil zu viel oder zu wenig in den Sitzungen passiert oder das Stress-Level zu hoch ist)
  • Wenn dir die bessere wissenschaftliche Studienlage wichtig ist

NARM oder Somatic Experiencing - wie ich dich unterstützen kann

Ich bin sowohl zertifizierter NARM-Therapeut als auch als Somatic Experiencing Practitioner.

Egal, ob NARM, Somatic Experiencing oder noch eine andere meiner Methoden – ich arbeite mit der Methode, die dich am meisten anspricht und die am besten zu deinen Themen und Anliegen passt. Wichtiger als die Methode ist am Ende eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung. 

Sollte sich dann im therapeutischen Prozess herausstellen, dass die aktuelle Methode doch nicht (mehr) geeignet erscheint, können wir selbstverständlich wechseln. Falls du zunächst verschiedene Methoden ausprobieren willst, ist das auch möglich.

Meine therapeutische Haltung hat sich dabei durch die Summe meiner Ausbildungen gebildet – diese bringe ich in jede Methode ein und ich kann sie auch nicht ablegen. Dabei finde ich mich in dem wertungsfreien, raumgebenden und nicht-pathologisierenden NARM-Ansatz besonders wieder. Gerne arbeite ich auch mit einer Mischung aus NARM und Somatic Experiencing (ich nenne es Fusion-Style).

Als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeite ich privat; die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

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Häufige Fragen

Sind NARM und Somatic Experiencing wissenschaftlich anerkannt?

Beide Verfahren sind keine Richtlinienverfahren der gesetzlichen Krankenkassen. Es gibt bisher nur wenige Studien zu NARM  – auch, weil NARM ein noch relativ junges Verfahren ist und große Wirksamkeitsstudien aufwändig und teuer sind. Die Methode baut auf Erkenntnissen aus Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie und Traumatherapie auf, und das Interesse an ihr wächst: NARM wird inzwischen in vielen Ländern gelehrt und praktiziert und es gibt erste qualitative Fallstudien (z.B. Vasquez, 2024; Vasquez et al., 2024 ). 

Zu Somatic Experiencing gibt es erste randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) (z.B. bei PTBS Brom et al, 2017 oder Andersen et al, 2017)

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für keine der beiden Verfahren. Manche privaten Krankenversicherungen oder Zusatzversicherungen erstatten Leistungen von Heilpraktiker*innen teilweise – frag am besten direkt bei deiner Versicherung nach.

Ja klar. Sag mir gerne, wenn du mit einer bestimmten Methode arbeiten willst. Wenn ich das Gefühl habe, dass es eine gute Idee sein kann, die Methoden zu kombinieren oder auf eine andere Methode zu wechseln, werde ich das ebenso ansprechen.

Nein. Du kannst mit deinen Themen kommen, so wie sie sich für dich zeigen – mit oder ohne Diagnose. Mit welcher Methode wir starten, können wir gerne in der ersten Sitzung besprechen.

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