Neurodivergenz Therapie Berlin: NARM ohne Pathologisierung bei ADHS, Autismus & Co

Was haben Autismus, ADHS, Monotropismus mit Trauma zu tun? Und wie können NARM und Somatic Experiencing helfen? Neurodivergenz Therapie Berlin für Erwachsene. 

Neurodivergenz Therapie Berlin in Kreuzberg

Neurodivergenz Therapie Berlin-Kreuzberg: Du bist autistisch, hast ADHS, beides oder bist auf andere Weise neurodivergent, etwa mit Legasthenie, Dyskalkulie, Dyspraxie oder Tourette? Und du bist erschöpft vom ständigen Anpassen? Vielleicht kennst du das Gefühl, immer etwas zu viel oder zu wenig zu sein. Oder du maskierst so gut, dass niemand merkt, wie viel Kraft dich der Alltag kostet.

Ich verstehe Neurodivergenz als natürliche Variation des Denkens und Erlebens. Sie ist Teil deiner Persönlichkeit, nicht etwas, das geheilt werden muss. Was oft belastet, sind die Folgen: Ablehnung, Anpassungsdruck und das jahrelange Gefühl, nicht richtig zu sein. Genau dort setze ich an, mit NARM und Somatic Experiencing, in meiner Praxis im Bergmannkiez in Berlin-Kreuzberg.

Was ist Neurodivergenz?

Der Begriff Neurodivergenz beschreibt unterschiedliche Arten des Denkens und Erlebens als natürliche Variation. Autismus ist häufig geprägt von stark monotropischer Aufmerksamkeit und sensorischen Besonderheiten. ADHS zeigt sich oft durch ein interessengetriebenes System und den Wunsch nach Neuheit. AuDHD verbindet beide.

 

Neurodivergenz ist keine medizinische Diagnose, sondern ein Begriff, mit dem du dich identifizieren kannst. Ob du eine Diagnose hast, eine vermutest oder dich einfach in der Beschreibung wiederfindest: Entscheidend ist, wie du dich selbst verstehst. Viele möchten sich bewusst nicht durch eine Diagnose stigmatisieren lassen.

Die Kraft neurodivergenten Erlebens

Neurodivergenz bringt eine eigene Art mit, die Welt wahrzunehmen, und darin liegt viel Kraft:

 

  • Monotropismus: Deine Aufmerksamkeit bündelt sich tief auf wenige Interessen. Daraus entstehen Expertise, Leidenschaft und ein Wissen, das in die Tiefe geht. Das Konzept stammt von autistischen Forscher*innen (Murray, Lesser & Lawson, 2005).
  • Hyperfokus: ein Flow-Zustand, in dem Zeit und Umgebung in den Hintergrund treten und kreative oder komplexe Arbeit möglich wird.
  • Info-Dumping: das begeisterte Teilen deiner Spezialinteressen, oft eine Form, Verbindung und Nähe herzustellen.
  • Intensive Wahrnehmung: feine Sinneseindrücke, Details und Muster, die anderen entgehen.
  • Schnelles, vernetztes Denken: Viele erfassen Zusammenhänge blitzschnell und springen gedanklich dorthin, wo andere noch Schritt für Schritt gehen, besonders in Themen, die sie begeistern.
  • Normen hinterfragen: ein anderer Blick auf Selbstverständlichkeiten, oft Quelle von Kreativität und Eigenständigkeit.
  • In Beziehungen: Oft Ehrlichkeit, Loyalität und Tiefe statt Smalltalk. Dazu klare Absprachen und Nähe, die auch im stillen Nebeneinander entstehen darf.

 

In der Therapie geht es nicht darum, diese Seiten kleiner zu machen. Im Gegenteil: Je mehr Sicherheit dein Nervensystem erlebt, desto mehr Raum bleibt oft für das, was dich ausmacht.

Neurodivergenz und Trauma: was dich erschöpfen kann

Autismus und ADHS sind zu einem großen Teil angeboren (Tick et al., 2016; Sandin et al., 2017). Viele Belastungen, mit denen neurodivergente Menschen zu mir kommen, entstehen aber erst im Kontakt mit einer Welt, die auf neurotypische Menschen ausgerichtet ist, manche auch durch sehr frühe Belastungen:

 

  • Masking: sich unbewusst den Erwartungen anderer anpassen, um nicht aufzufallen oder abgelehnt zu werden. Das schützt kurzfristig, kostet auf Dauer aber enorm viel Energie.
  • Überforderung, Wut und Shutdown: Reizüberflutung, unterbrochener Hyperfokus oder zu viele soziale Anforderungen bringen das Nervensystem an seine Grenze. Dann kippt es in Wut, Reizbarkeit oder einen Meltdown, oder es fährt in einen Shutdown herunter.
  • Prokrastination: Aufgaben, die dich nicht interessieren, fühlen sich an wie eine unsichtbare Wand. Das ist keine Faulheit, sondern oft eine Mischung aus Überforderung, Druck und einem Nervensystem, das in Erstarrung geht.
  • Hypervigilanz und Gedankenkreisen: ständig wachsam sein, nach sozialen Situationen grübeln, ob alles „richtig“ war.
  • Erschöpfung bis zum Burnout: wenn Anpassung über Jahre mehr Kraft kostet, als zurückkommt.
  • Minority Stress und Ableismus: die Spuren von Abwertung, Mobbing und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Siehe auch systemisches Trauma.
  • Beziehungen: Masking selbst bei den liebsten Menschen, unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Rückzug, Missverständnisse in der Kommunikation. Diese entstehen auf beiden Seiten und nicht durch fehlende Empathie, beschreibt der autistische Forscher Damian Milton als „Double Empathy Problem“. Siehe auch Bindungsangst überwinden.
  • Die Sicht von NARM: Viele dieser Muster versteht NARM als Überlebensstrategien aus sehr früher Unsicherheit, etwa die Kontakt-Struktur. Das Nervensystem hat dann früh gelernt, auf Daueralarm oder Shutdown zu schalten (Fight, Flight, Freeze).
  • Die Sicht von Somatic Experiencing: Nach sehr frühen, überwältigenden Erfahrungen, etwa einer schweren Geburt, kann der ganze Körper in einer Grundaktivierung bleiben, genannt Global High Intensity Activation: schwer zur Ruhe kommen, pendeln zwischen Überdrehtheit und Zusammenbruch.

 

Wenn du neurodivergent und queer bist, können sich diese Erfahrungen verstärken. Mehr dazu in meinem Artikel Neuroqueer Therapie Berlin.

Neurodivergenz und frühere Diagnosen

Viele neurodivergente Menschen erfahren erst als Erwachsene, warum sie sich schon immer anders gefühlt haben. Bei dem Versuch zu verstehen, was mit ihnen los ist – für viele eine quälende Frage –, bekamen sie oft andere oder zusätzliche Diagnosen. Statt Entlastung brachten diese für manche zusätzliche Pathologisierung und Beschämung: das Gefühl, mit ihnen stimme grundsätzlich etwas nicht:

 

  • Angst und Depression sind häufige Begleiter. Laut einer Meta-Analyse erleben etwa 42 % der autistischen Erwachsenen im Lauf ihres Lebens eine Angststörung und etwa 37 % eine Depression (Hollocks et al., 2019). Oft sind sie eine Folge von dauerhafter Überforderung und Masking.
  • Borderline statt Autismus: Vor allem bei Frauen wird Autismus manchmal als Borderline-Persönlichkeitsstörung fehlgedeutet. Betroffene beschreiben die spätere Autismus-Diagnose als große Entlastung (Tamilson et al., 2024).
  • Trauma oder ADHS? Komplexe Traumafolgen und ADHS ähneln sich: Unruhe, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulation. Beides kann auch gleichzeitig vorliegen (Spencer et al., 2016).

In der Therapie bei mir ist das Etikett zweitrangig. Wir schauen darauf, was dich belastet und was du dir wünschst. Wenn du eine diagnostische Abklärung möchtest, ist das bei Fachärzt*innen oder spezialisierten Ambulanzen gut aufgehoben.

Neurodivergenz Therapie Berlin - so arbeite ich

Mein Anliegen ist es nicht, dich „normaler“ zu machen, sondern dich dabei zu unterstützen, das zu leben, was du dir für dich wünschst. Ich habe an mir selbst neurodivergente und queere Aspekte entdeckt, ohne eine entsprechende Diagnose. Diese Erfahrung bringe ich in meine Arbeit mit.

 

NARM ist dafür mein wichtigster Ansatz, weil er grundsätzlich nicht pathologisiert. Wir schauen auf die Überlebensstrategien, die du früh entwickeln musstest, etwa dich an andere anzupassen oder eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Diese Strategien waren sinnvoll. Wenn sie dir heute im Weg stehen, kannst du in der Therapie mehr Wahlfreiheit gewinnen: zum Beispiel selbst zu entscheiden, wann du maskierst und wann nicht.

Somatic Experiencing setzt direkt am Nervensystem an. In kleinen, gut dosierten Schritten erweitern wir dein Window of Tolerance, also den Bereich, in dem du dich reguliert fühlst. So kippt Überforderung nicht mehr so schnell in Wut und Unruhe oder in einen Shutdown. Wut darf dabei auch da sein: Oft zeigt sie eine Grenze an, die lange übergangen wurde.

Ehrlicherweise: Auch in der Therapie kann es passieren, dass du dich bewertet fühlst oder dass ich selbst in eine Anstrengung gerate, etwa weil wir unterschiedlich kommunizieren. Das ist menschlich. Ich lade dich ein, es anzusprechen, sobald du es bemerkst. Genau solche Momente können wir gemeinsam erforschen, und oft wird dabei etwas spürbar, das auch außerhalb der Therapie wichtig ist.

Du musst dich in der Therapie nicht anstrengen, neurotypisch zu wirken. Sag mir gerne, was du in den Sitzungen dafür brauchst.

Was ich nicht anbiete

  • Keine Diagnostik: Ich stelle keine ADHS- oder Autismus-Diagnosen. Für eine Abklärung wende dich an Fachärzt*innen für Psychiatrie oder an spezialisierte Ambulanzen und Psychotherapeut*innen. Du brauchst aber keine Diagnose, um zu mir zu kommen. Eine Selbstidentifikation reicht völlig.
  • Keine Medikation: Medikamente verschreiben dürfen nur Ärzt*innen. Eine medikamentöse Behandlung und die Therapie bei mir schließen sich aber nicht aus.
  • Kein Training zur Anpassung: Ich biete keine Programme an, die darauf abzielen, neurodivergentes Verhalten abzutrainieren.
  • Keine Kinder- und Jugendtherapie: Ich arbeite ausschließlich mit Erwachsenen ab 18 Jahren. Für Kinder und Jugendliche wende dich bitte an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Diagnose für die Therapie?

Nein. Ob du diagnostiziert bist, dich selbst als neurodivergent verstehst oder es einfach vermutest: Alles ist willkommen.

Ja, montags biete ich Online-Sitzungen an. Du kannst sie direkt über meinen Kalender buchen.

Eine Stunde (60 Minuten) kostet 95 Euro. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, private Versicherungen unter Umständen. Mehr zu Ablauf und Konditionen auf der Seite Therapie.

Hier kannst du einen Termin buchen

Wenn du dich hier wiedererkennst, buche gern einen Termin oder schreib mir.