Trauma und Neurodivergenz

Was haben Autismus, ADHS, Monotropismus mit Trauma zu tun? Und wie können NARM und Somatic Experiencing helfen? Neurodivergenz Therapie Berlin für Erwachsene. 

Puzzle

Du bist neurodivergent und erkennst dich in Autismus, ADHS oder beidem wieder? Dann kennst du wahrscheinlich intensive Erfahrungen mit Hyperfokus, Info-Dumping, Sensory Overload und Masking. Diese Phänomene hängen eng mit Monotropismus zusammen – einer besonderen Art der Aufmerksamkeit, die bei vielen neurodivergenten Menschen stark in wenige intensive Interessen gezogen wird.

Die Symptome: Hyperfokus, Info-Dumping, Sensory Overload, Masking, Hypervigilanz und Gedankenkreisen

  • Monotropismus beschreibt, dass Aufmerksamkeit monotropisch fließt: in einem tiefen Tunnel auf wenige Interessen.
  • Hyperfokus ist der Ausdruck davon – ein Flow-Zustand, in dem Zeit und Umgebung in den Hintergrund treten. Unterbrechungen können zu Erschöpfung oder Shutdown führen.
  • Info-Dumping ist das intensive Teilen von Wissen zu einem Spezialinteresse – oft eine Form von Verbindung. Sensory Overload entsteht, wenn Reize überfordern. Viele erleben zudem eine Hochsensibilität.
  • Masking, Fawn-Response und chamäleonartiges Verhalten bedeuten, die eigene Art zu unterdrücken oder so stark an die Erwartungen anderer anzupassen, dass das Anderssein überspielt wird – oft ohne es bewusst zu steuern. Fawn und Masking dienen demselben Ziel: Sicherheit gewinnen und Ablehnung vermeiden. Kurzfristig schützt das, langfristig kostet es viel Energie und kann das Gefühl verstärken, nicht wirklich gesehen zu werden.
  • Umgang mit Wut und Emotionen fällt vielen neurodivergenten Menschen schwer. Emotionen können sehr intensiv oder verzögert wahrgenommen werden. Wut wird manchmal unterdrückt (durch Masking oder Fawn) oder bricht plötzlich durch, wenn das System überlastet ist. Das hängt oft mit einem engen Window of Tolerance zusammen: Der Bereich, in dem Regulation möglich ist, ist kleiner. Außerhalb davon kippt das System schneller in Hyperarousal (Wut, Unruhe, Impulsivität) oder Hypoarousal (Shutdown, Taubheit).
  • Hypervigilanz ist dauerhafte erhöhte Wachsamkeit. Gedankenkreisen zeigt sich als intensives Nachdenken über soziale Situationen oder die Frage, ob alles „richtig“ ist – bei vielen neurodivergenten Menschen eine Form monotropischer Aufmerksamkeit, die sich auf Unsicherheit richtet.

Unterschiede zwischen Formen von Neurodivergenz

Neurodivergente Diagnosen wie Autismus und ADHS können stigmatisierend wirken. Der Begriff Neurodivergenz beschreibt unterschiedliche Arten des Denkens und Erlebens als natürliche Variation. Autismus ist häufig geprägt von stark monotropischer Aufmerksamkeit und sensorischen Besonderheiten. ADHS zeigt sich oft durch ein interessengetriebenes System und den Wunsch nach Neuheit. AuDHD verbindet beide.

Kontakt-Überlebensstrategie, fehlende Sicherheit und das autonome Nervensystem

Sehr frühe Erfahrungen können die Regulation des Nervensystems und den Kontakt mit Emotionen und der Umgebung prägen.

Das von Larry Heller entwickelte neuroaffektive Beziehungsmodell NARM sieht häufig sehr frühe Traumatisierungen vor dem ersten Lebensjahr als wichtigen Faktor für Neurodivergenz und spricht dann von Kontakt-Struktur, in der bestimmte Strategien überlebensnotwendig waren.

Kontakt-Überlebensstrategien können entstehen, wenn Verbindung von Anfang an unsicher war. Das autonome Nervensystem (Fight, Flight, Freeze) kann dann früh auf Daueraktivierung oder Shutdown eingestellt sein.

Die Polyvagal-Theorie beschreibt, wie das Nervensystem über Neurozeption Sicherheit oder Gefahr einschätzt. Bei vielen neurodivergenten Menschen ist die Neurozeption empfindlicher, die Fenster der Regulation sind enger – weil erhöhte Wachsamkeit aufgrund des fehlenden Sicherheitsgefühls aktiv ist und das autonome Nervensystem nicht entspannen kann. Die oben genannten Symptome können eine Folge davon sein – wenn auch nicht alles neurodivergente Erleben  Traumafolgen sind.  

Ableismus, systemisches Trauma und Minority Stress

Ableismus wertet neurodivergente Lebensweisen ab und erwartet Anpassung. Zusammen mit systemischem Trauma (belastende Erfahrungen, die durch familiäre, gesellschaftliche oder institutionelle Strukturen entstehen und über Systeme hinweg wirken) verstärkt das das Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören. Viele neurodivergente Menschen erleben Minority Stress und dadurch verstärkte Hypervigilanz und Erschöpfung.

Neurodivergenz und Beziehungen

Neurodivergente Menschen gestalten Beziehungen oft anders. Monotropismus kann zu tiefen Verbindungen führen, gleichzeitig kann es schwerfallen, soziale Signale intuitiv zu lesen. Masking und Fawn-Response kosten Energie und können dazu führen, dass eigene Bedürfnisse und Emotionen zurückgestellt werden.

Neurodivergenz Therapie Berlin: Wie ich dich mit NARM- und Somatic-Experiencing unterstützen kann

Neurodivergenz Therapie Berlin: Als Heilpraktiker für Psychotherapie, der mit den traumatherapeutischen Methoden NARM und Somatic Experiencing arbeitet, unterstütze ich dich dabei, die Auswirkungen von Trauma, Ableismus und Überlebensstrategien zu entlasten – ohne Neurodivergenz zu pathologisieren. Bitte beachte: Ich führe keine medizinische ADHS- oder Autismus-Diagnostik durch und habe mich auf die Arbeit mit Erwachsenen konzentriert.

Mit NARM schauen wir auf Kontakt- und Einstimmungsstrategien.

Mit Somatic Experiencing arbeiten wir am Nervensystem und am Window of Tolerance – neurodivergent-affirmierend und titriert. Ziel ist mehr Sicherheit im Körper, mehr Wahlfreiheit im Umgang mit Emotionen und Symptomen wie Masking.

Wenn du eine Begleitung suchst, die deine Neurodivergenz ernst nimmt, kannst du gerne Kontakt aufnehmen / einen Termin buchen.

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